Flug einer Kohlmeise vor unscharfem Hintergrund

Evolutionäre Physiologie

Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer nehmen wir Abschied von der Leiterin dieser Forschungsgruppe, 
Professorin Dr. Michaela Hau, die am 19. September 2025 verstorben ist.
Ela war eine international hoch geschätzte und exzellente Wissenschaftlerin, deren Forschung über Fachgrenzen hinweg Anerkennung fand. Sie leitete die Forschungsgruppe „Evolutionäre Physiologie“ seit 2013. Mit unermüdlichem Engagement hat sie sich besonders für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft eingesetzt und war vielen Nachwuchswissenschaftlerinnen als Mentorin Inspiration und Vorbild zugleich.
Wir verlieren mit ihr nicht nur eine herausragende Forscherin, sondern auch einen wunderbaren Menschen. Ihre positive Ausstrahlung, ihre Geradlinigkeit und ihre Leidenschaft für Wissenschaft haben unser Institut mitgeprägt. Sie war Seewiesen besonders verbunden und wird uns allen sehr fehlen.

Link zu einem Nachruf der Society for Behavioral Neuroendocrinology 

Über die Forschung der Gruppe:

Wir forschen daran, in welcher Weise die Physiologie der Tiere an die jeweilige Umwelt angepasst ist, in der sie leben. Diese Frage untersuchen wir in der Arbeitsgruppe anhand drei physiologischer Systeme: 1) Reproduktion, 2) hormonelle Steuerung und 3) zirkadiane Uhr. Um physiologische Anpassungen zu verstehen, vergleichen wir verschiedene Vogelarten, die auf unterschiedlichen Breitengraden leben (zum Beispiel den gemäßigten Breiten oder in den Tropen), und verschiedene Populationen einer einzelnen Art (der Kohlmeise, Parus major) innerhalb Europas. Die Forschungsrichtung stellt eine Kombination aus Physiologie, Ökologie und Evolution dar und zielt auf ein umfassendes Verständnis der Kurzzeit- und Langzeit-Interaktionen eines Tieres mit seiner Umwelt ab.

Ein wissenschaftliches Poster mit Diagrammen und Texten, das die Verbesserung der mitochondrialen Funktion durch Schilddrüsenhormone bei der Entwicklung von Zebrafinken darstellt. Eine Person steht daneben.

Posterpreis für Marlene Oefele

Herzlichen Glückwunsch an unsere Doktorandin Marlene Oefele zum Gewinn des Posterpreises auf dem Internationalen Symposium für Vogelendokrinologie!

Kohlmeise auf Ast mit chemischer Struktur im Hintergrund. Grüner, verschwommener Hintergrund.

Glukokortikoide und Fortpflanzung

Es wird angenommen, dass Glukokortikoide eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der stoffwechselintensiven Aspekte der Fortpflanzung spielen. Die Belege für diese Annahme sind jedoch nicht eindeutig. Unsere Studie zeigt, dass Glukokortikoide im Ausgangszustand die Fitness nicht unabhängig, sondern in Verbindung mit enzymatischen Antioxidantien beeinflussen.
Foto: Luc Viatour (Belgium) CC BY-SA 2.0

Illustration zweier Kohlmeisen auf einem Ast.

Innovative Datenvisualisierung unseres Kohlmeisen-Papers

Im Jahr 2022 erschien unsere Studie zu den Veränderungen von Stresshormonen bei Kohlmeisen aufgrund von Temperaturschwankungen. Die bei diesem Projekt entstandenen Forschungsdaten wurden nun im Rahmen des Kurses "Visual Analytics" an der Hochschule Düsseldorf unter der Betreuung von Professor Kay Schröder visualisiert. Die Studentin Evi Hoang widmete sich der Herausforderung, die Daten auf innovative Weise zu visualisieren, um sie besser zugänglich und interaktiv erlebbar zu machen. Ihre Webseite schafft einen neuen Zugang zu unserer Veröffentlichung und den enthaltenen Daten, um auch Menschen anzusprechen, die sich bisher nicht an wissenschaftliche Themen herangetraut haben.
(Illustration: Evi Hoang / Hochschule Düsseldorf)

Fliegender Vogel trägt Thermometer in lebhafter, stilisierter Berglandschaft mit roten Tieren wie Pferd, Ziege und Eidechse.

Neues Review der Forschungsgruppe über hormonelle Flexibilität 

In einem neuen Review untersuchen Michael Hau und Kolleg*innen die Rolle der hormonellen Flexibilität als Mechanismus, der es Tieren ermöglicht, mit wechselnden Temperaturen fertig zu werden. Sie diskutieren dies über lange und kurze Zeiträume und auf verschiedenen hierarchischen Ebenen (wie Populationen, Arten oder Individuen).
Illustration von Julia Kuhl @mulesome

Illustration mit zwei Vögeln in Gelb, Grau und Schwarz, die neben zwei Thermometern sitzen, die hohe bzw. niedrige Umgebungstemperaturen anzeigen.

Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?

Kohlmeisen zeigen, wie sich Vögel an Temperaturveränderungen anpassen

Dr. Eve Udino

Congratulations to Dr. Eve Udino, who received a 2-year Alexander-von-Humboldt-postdoc fellowship to work in our group

Eine Kohlmeise sitzt auf einem hölzernen Vorsprung. Rechts sind chemische Strukturformeln zu sehen. Unten befinden sich Logos der International Max Planck Research School für Organismische Biologie.

Helfen Schilddrüsenhormone Vögeln bei der Anpassung an veränderte Umweltbedingungen?

Schilddrüsenhormone sind für die Aufrechterhaltung der Homöostase sowie für die Regulierung des Stoffwechsels und der Thermoregulation bei Wirbeltieren, die unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt sind, von entscheidender Bedeutung. In diesem Projekt wird die Hypothese getestet, dass die durchschnittlichen Konzentrationen von Schilddrüsenhormonen sowie ihre plastische Hoch- oder Herunterregulierung in energetisch schwierigen Situationen die individuelle Fitness bestimmen.
Kasja Malkoc wurde von der IMPRS (International Max Planck Research School), der DO-G (Deutsche Ornithologen-Gesellschaft) und der SICB (Society for Integrative and Comparative Biology) gefördert, um Schilddrüsenhormone bei Kohlmeisen (Parus major) unter Labor- und Freilandbedingungen zu untersuchen.''

Telomer-Fluktuation: Stoffwechsel- regulierung und Signalfunktion?

Telomer-Fluktuation: Stoffwechsel- regulierung und Signalfunktion?

Stresshormone erhöhen sich bei hohen Energieausgaben

Stresshormone erhöhen sich bei hohen Energieausgaben

Schrumpfen Vögel durch die globale Erwärmung?

Schrumpfen Vögel durch die globale Erwärmung?

Eine neue Studie zeigt, dass Sturmtaucher, die bei wärmeren Temperaturen aufgezogen werden, kleinere Körper und Schnäbel entwickeln. Die Autoren der Studie, Stefania Casagrande und Giacomo Dell Omo, führen dies auf zellulären Stress, eine geringere Stoffwechselenergie und niedrigere Wachstumsfaktoren zurück.

Stefania Casagrande & Giacomo Dell'Omo (2025).  Linking warmer nest temperatures to reduced body size in seabird nestlings: Possible mitochondrial bioenergetic and proteomic mechanisms. J Exp Biol2025; jeb.249880.

Keine Auswirkungen von Eihormonen auf die Fitness von Mutter oder Nachkommen

Keine Auswirkungen von Eihormonen auf die Fitness von Mutter oder Nachkommen

Bei eierlegenden Arten lagern Mütter Hormone wie Androgene, Glukokortikoide und Schilddrüsenhormone in ihren Eiern ein. Es wird allgemein angenommen, dass sie die Konzentration als Reaktion auf Umwelt- und soziale Signale anpassen, um ihre eigene Fitness und/oder die ihrer Nachkommen zu optimieren.
In einer umfassenden Metastudie an 19 verschiedenen Vogelarten wurde nun nachgewiesen, dass diese Annahmen statistisch unbegründet sind. Es gibt keine erkennbare Auswirkung von Androgenen, Glukokortikoiden und Schilddrüsenhormonen auf die Fitness von Muttertieren oder Nachkommen. Dies stellt frühere Annahmen in Frage und ist ein wichtiger theoretischer Beitrag auf diesem Gebiet.

Mentesana L, Hau M, D'Amelio PB, Adreani NM, Sánchez-Tójar A. 2025. Do Egg Hormones Have Fitness Consequences in Wild Birds? A Systematic Review and Meta-Analysis. Ecology Letters 28: e70100.

Zur Redakteursansicht