Über uns

Das Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz, in Gründung

Das Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz (MPI-BI) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die sich der Grundlagenforschung zu Themen der Verhaltensökologie, Evolutionsforschung und Neurowissenschaften verschrieben hat. Rund 500 Mitarbeitende aus mehr als 50 Nationen untersuchen, wie sich tierische Lebewesen Wissen über ihre Umwelt aneignen, speichern, anwenden und weitergeben, um immer neue Lösungen für Probleme zu finden und sich an eine ständig verändernde Umwelt anzupassen.

Das MPI-BI ist im Januar 2022 aus den beiden Max-Planck-Instituten für Neurobiologie und für Ornithologie hervorgegangen. Die endgültige, rechtliche Neugründung des Instituts findet zum 1. Januar 2023 statt.

Das Institut hat zwei Standorte: Am naturnahen Campus Seewiesen, in der Gemeinde Pöcking bei Starnberg, wird Feldforschung mit modernen Methoden der Verhaltensbiologie kombiniert. Am Campus Martinsried im Südwesten von München findet derzeit überwiegend neurowissenschaftliche Forschung statt. Dabei werden Laborexperimente in der Regel mit modernsten Methoden wie beispielsweise der Optogenetik, Connectomics oder maschinellem Lernen verbunden.
Der Standort Martinsried wird in den kommenden Jahren zusammen mit dem MPI für Biochemie zu einem zukunftsweisenden und klimaneutralen Life Science Campus ausgebaut.

Unsere Forschung

Intelligenz ist die Fähigkeit, komplexe Ziele zu erreichen. Diese Eigenschaft war bislang weitgehend Lebewesen vorbehalten. Mittlerweile können jedoch auch Maschinen eigenständig Aufgaben erfüllen, sodass diese mit Hilfe der künstlichen Intelligenz bald ihre eigenen Ziele verfolgen könnten.

Obwohl wir somit Maschinen mit künstlicher Intelligenz ausrüsten können sind uns viele Vorgänge in „biologischen“ Gehirnen bis heute ein Rätsel. Wie rechnen, planen und entscheiden Tiere, einzeln oder in Gruppen? Um diese Frage anzugehen, ist ein tieferer Blick in die Evolutionsgeschichte nötig. Die Selektion begünstigt Individuen, die erfolgreich um die zum Überleben und zur Fortpflanzung benötigten Ressourcen konkurrieren: Territorien, Nahrung, Partner, Status und Ideen. Die Gehirne und das damit verknüpfte Verhalten, das wir heute beobachten können, sind das Ergebnis einer erfolgreichen Anpassung an diese Herausforderungen. Das menschliche Verhalten ist dabei keine Ausnahme. Spuren von bewährten Entscheidungen haben sich zum Beispiel in unseren Persönlichkeiten, Denkstilen, Wertesystemen oder Beziehungspräferenzen angesammelt.

Die Forschung an unserem Institut macht sich zur Aufgabe, die Mechanismen der biologischen Intelligenz auf ihren verschiedenen Ebenen zu entschlüsseln. Dabei reichen die Untersuchungen von molekularen Wechselwirkungen bis hin zu ganzen Gruppen von Individuen. Da die Anpassung biologischer Systeme im Einklang mit ihrer natürlichen Umwelt geschieht, richtet sich ein besonderes Augenmerk auf tierisches Verhalten in freier Wildbahn. Die Untersuchung des Gehirns in seiner natürlichen Umwelt gibt Aufschluss, wie Organismen miteinander kommunizieren und ihre Umwelt verändern, oder wie soziale Interaktionen zur Bildung von differenzierten Gesellschaften führen.

Wissenschaftler*innen des MPI-BI gehen unter anderem den folgenden Fragen nach:

  • Wie beeinflussen neuronale Netzwerke tierisches Verhalten? 
  • Was sind die molekularen Grundlagen der neuronalen Schaltkreise?
  • Wie werden Sinneseindrücke im Gehirn verarbeitet und was passiert, wenn es lernt oder vergisst? 
  • Wie haben sich neuronale Schaltkreise im Laufe der Evolution entwickelt?
  • Wie laufen evolutionäre Prozesse auf molekularer Ebene ab?
  • Wie passen sich Arten an ihre jeweilige Umwelt an?
  • Wie lassen sich Mikroskopiemethoden verbessern, um bisher Unsichtbares sichtbar zu machen?
  • Wie können Verhalten und Gehirnaktivität freilebender Tiere untersucht werden?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, werden die Studien mit Hilfe von Tiermodellen, Computersimulationen aber auch Zellkulturen sowohl im Labor als auch im Freiland durchgeführt. Die Bandbreite der eingesetzten Methoden ist groß. Zum Einsatz kommen unter anderem Methoden der Anatomie, Bildgebung, Bioakustik, Biochemie, Elektrophysiologie, Endokrinologie, Genetik, Histologie, Konnektomik, Maschinellem Lernen, Molekularbiologie, Optogenetik, Physiologie sowie der Verhaltensbiologie.

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