Maude Baldwin ist neue Direktorin am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz

Achte Abteilung des Instituts wird die Evolution sensorischer und physiologischer Systeme erforschen 

27. März 2024

Maude Baldwin leitete seit 2015 die Max-Planck-Forschungsgruppe “Evolution sensorischer Systeme" am Standort Seewiesen des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz. Nun wurde sie von der Max-Planck-Gesellschaft zur ersten Direktorin des Instituts berufen. Bereits im Frühjahr 2024 wird Baldwins Abteilung “Evolution sensorischer und physiologischer Systeme” ihre Arbeit als achte Abteilung des Instituts aufnehmen. Sie wird die Evolution diverser sensorischer und physiologischer Systeme erforschen, inklusive des Geschmacksinns von Wirbeltieren. 
 

Maude Baldwin promovierte 2015 an der Harvard University im Bereich der organismischen und evolutionären Biologie. Im Anschluss wurde sie Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, das heute Teil des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz ist. Baldwins Abteilung wird sich mit der Evolution sensorischer und physiologischer Systeme befassen, mit einem Schwerpunkt auf dem Geschmacks- und Verdauungssystem verschiedener Wirbeltiere wie Vögeln, Reptilien und Fischen. 

„Wir freuen uns sehr, mit Maude Baldwin eine besonders engagierte und herausragende Nachwuchswissenschaftlerin als achte – und erste weibliche – Direktorin gewonnen zu haben. Ihre Forschung wird bedeutend zur Mission unseres Institutes beitragen: Das facettenreiche Thema der biologischen Intelligenz zu entschlüsseln“, sagt Manfred Gahr, Geschäftsführender Direktor des Instituts, über die Berufung von Maude Baldwin. 

Baldwin erforscht die Evolution des Geschmackssinns und der Verdauungsphysiologie über den gesamten Stammbaum der Wirbeltiere hinweg. So haben sie und ihr Team beispielsweise herausgefunden, dass Vögel zwar im Laufe der Evolution ihren Rezeptor für die Wahrnehmung von Süßem verloren haben. Kolibris, Singvögel und manche Spechte jedoch trotzdem in der Lage sind, Süßes über einen neu entwickelten Rezeptor für Herzhaftes (umami) zu schmecken. Der Wendehals entgegen, ein auf Ameisen spezialisierter Specht, hat die Fähigkeit Süßes zu schmecken im Laufe der Evolutionsgeschichte ein zweites Mal verloren.   

Mit der Erweiterung der Forschungsgruppe zu einer Abteilung haben Maude Baldwin und ihr Team die Möglichkeit, die Ursachen und Auswirkungen solcher evolutionären Veränderungen von Sinneswahrnehmung eingehend zu untersuchen. Sie verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der molekulare Methoden mit Zellkulturtechniken und Verhaltensbeobachtungen kombiniert. „Mein Team und ich freuen uns sehr darauf, die Forschung auszuweiten und zu untersuchen, wie sich verschiedene evolutionäre Hintergründe und Ökologien auf die Tierphysiologie und die Sinnesbiologie auswirken. Insbesondere möchten wir auch die relativen Zeitpunkte von evolutionären Veränderungen ergründen, sowie die Zusammenhänge und möglichen Koevolutionen unterschiedlicher Veränderungen verstehen”, sagt Baldwin. „Wir hoffen, dass unsere Abteilung so weitere wichtige Beiträge zum Verständnis signifikanter Veränderungen in der Evolutionsgeschichte der Wirbeltiere leisten wird." 

Text: Magdalena Warner

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht