Mehrere horizontale Wellenlinien in verschiedenen Farben, die auf einem schwarzen Hintergrund verlaufen und ein komplexes Muster bilden.

Sehen in Bewegung

Wahrnehmung und Bewegungen gehören untrennbar zusammen. Tiere nehmen ihre Umwelt nicht passiv auf – sie erkunden sie aktiv, indem sie Augen, Kopf und Körper bewegen, um gezielt relevante Informationen zu sammeln. Dennoch stammt ein Großteil unseres Wissens darüber, wie das Gehirn Sinneseindrücke verarbeitet, aus Experimenten, in denen diese natürlichen Bewegungen eingeschränkt werden. Das erleichtert zwar die experimentelle Kontrolle über die Versuchsbedingungen, trennt die Wahrnehmung jedoch von den Bewegungen, die sie im Alltag entscheidend prägen.

In unserer Forschung untersuchen wir deshalb, wie das Gehirn unter möglichst natürlichen Bedingungen arbeitet. Mithilfe von mobiler Blickerfassung, Messungen neuronaler Aktivität in großen Populationen und interaktiven Augmented-Reality-Umgebungen analysieren wir, wie visuelle Hirnareale während aktiver Bewegung funktionieren. Besonders interessiert uns, wie Bewegung dem Gehirn hilft, räumliche Tiefe wahrzunehmen und Objekte zuverlässig zu erkennen – selbst wenn sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln erscheinen.

Durch die Kombination automatisierter Verhaltensanalyse mit modernsten neurophysiologischen Methoden wollen wir verstehen, wie das Gehirn Wahrnehmung und Bewegung miteinander verknüpft, um adaptives visuell-motorisches Verhalten zu ermöglichen.

Laura Busse ist Professorin für Organismische Neurobiologie an der Fakultät für Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie wurde 2026 zum Max Planck Fellow des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz ernannt. Ziel des Programms ist es, die Zusammenarbeit zwischen Max-Planck-Instituten und Universitäten zu stärken.

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